„Eintopf“ für Schulen der zweiten Chance

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SPD-Kreistagsfraktion besucht Lüttfeld-Berufskolleg

Kreis Lippe/Lemgo. Ausbildung und berufliche Bildung bleiben wichtige „Baustellen“ der Kreispolitik. Denn: 3.800 jugendlichen Bewerbern stehen Jahr für Jahr in Lippe nur rund 2.000 Ausbildungsplätze gegenüber. Die SPD-Kreistagsfraktion diskutierte die Situation jetzt bei einem Besuch im Lüttfeld-Berufskolleg mit Schulleiter Manfred Kreisel und anderen Pädagogen. Zusammen möchten sie gerne einen Ausbildungs-„Eintopf“ servieren.

Hinter „Eintopf“ verbirgt sich die Idee, Jugendliche bei der Berufsorientierung und Ausbildung eine Förderung aus einer Hand anzubieten. Bislang verfügen Agentur für Arbeit, Jobcenter und andere über je getrennte „Töpfe“ in diesem Bereich. „Wir möchten hier bürokratische Hürden und unnötige Grenzen abbauen, Fördergelder zentral verwalten und Fördermaßnahmen über eine Chipkarte für jeden betroffenen Jugendlichen einfach und effektiv abrufbar machen“, erläutert SPD-Fraktionschef Kurt Kalkreuter.

Die große Lücke von 1.800 fehlenden Ausbildungsplätzen könne der Kreis zwar nicht schließen. Hier sei weiterhin die Wirtschaft gefordert, die sonst schon bald wachsende Schwierigkeiten bei der Suche nach gut ausgebildeten Fachkräften bekomme, bezieht der stellvertretende Landrat Dr. Axel Lehmann Stellung. Gleichwohl plädiert der Sozialdemokrat für die Einrichtung einer Produktionsschule mit Hilfe des Kreises als eine Maßnahme zur Linderung der Situation. „Produktionsschulen sind keine Konkurrenz zu unseren gewerblich-technischen Kollegs sondern eine sinnvolle Ergänzung“, erläutert Lehmann. Produktionsschulen richten sich an lernschwache aber praktisch begabte Schüler, die besonders praxisnah und produktionsorientiert ausgebildet werden. Weil Produktionsschulen ihre Erzeugnisse direkt am Markt verkaufen, seien die Schüler zumeist auch mit einer höheren Motivation bei der Sache als beim reinen Schulbesuch, so der SPD-Sozialexperte weiter.

Die SPD-Politiker lobten das Bildungsangebot für die gut 2.600 Schülerinnen und Schüler des Lüttfeld-Kollegs. „Hier, wie auch an den anderen berufsbildenden Schulen des Kreises, wird gute Arbeit geleistet. Wir werden deshalb auch in Zukunft die Einrichtung neuer Bildungsgänge, die eng an den Bedarfen der lippischen  Wirtschaft orientiert sind, unterstützen“, versprach Willi Nagel, Vorsitzender des Bildungsausschusses. Die Kollegs seien auch für viele junge Menschen eine „Schule der zweiten Chance“, weil sie die Möglichkeit böten, aus einem mittleren Bildungsabschluss nachträglich das Fachabitur oder die Hochschulreife zu machen.

Sorgen bereitet den Sozialdemokraten die zunehmende Verlagerung von beruflicher Bildung in die Oberzentren Bielefeld und Paderborn. „Landrat, CDU, Grüne und Freie Wähler haben diese problematische Entwicklung unterstützt, als sie dem Abzug des Handwerkerbildungszentrums aus dem Lüttfeld nach Bielefeld aktiv den Weg bereiteten“, moniert Lehmann. Die SPD-Kreistagsfraktion setzt sich dafür ein, möglichst viele Bildungsangebote auch künftig ortsnah an den Berufskollegs des Kreises zu erbringen.

Berufliche Bildung im Blick (Bild rechts von links): SPD-Fraktionschef Kurt Kalkreuter, Schulsozialarbeiter Michael Sauer, Gerda Schüte, Schulleiter Manfred Kreisel, Bildungsgangleiter Klaus Poggemann-Lütkemeyer, Bildungsausschussvorsitzender Willi Nagel und Annegret Dargatz.

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